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Humboldt-Universität zu Berlin - Erstie- und Studiportal

Verspätung

Wer zu spät kommt, den_die bestraft bekanntlich das Leben. An der Hochschule übernehmen das gelegentlich die Lehrkräfte. So kommt es vereinzelt vor, dass die Räume, in denen Lehrveranstaltungen stattfinden kurz nach Beginn von innen abgeschlossen werden, um vorgebliche oder tatsächliche Störungen durch zu spät eintrudelnde Studierende zu unterbinden. Einmal ganz davon abgesehen, dass es viele plausible Gründe für Verspätungen gibt, ist hier natürlich zuallererst einmal fraglich, ob das Rütteln an der Tür durch die_den Verspätete_n nicht eine viel erheblichere Störung darstellt.

Unabhängig von der Frage worin denn nun die eigentliche Störung besteht, ist das Verhalten der Lehrkraft rechtswidrig und bringt sogar Menschenleben in Gefahr. Grund ist die Brandgefahr. Sollte im Gebäude (oder gar im Raum selbst) z. B. ein Feuer ausbrechen, sind die Fluchtwege durch die verschlossenen Türen versperrt. Durch die Stresssituation kann schnell Panik unter den Anwesenden entstehen. In einer Situation, in der sich eine panische Menge vor den Türen drängt, wird das aufschließen wohl unmöglich werden. Ganz davon abgesehen wäre die Frage, was passiert, wenn die Lehrkraft selbst in Panik verfällt oder z. B. in Ohnmacht fällt. Durchsuchen Studierende dann den Lehr"körper"?

Auch strafrechtlich begibt sich die Lehrkraft auf dünnes Eis, denn ein Ausschluss von Studierenden bedeutet auch immer einen Einschluss von Studierenden und kann damit eine Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) darstellen.

Praxistipp:

In der Praxis stehen mehrere Wege zur Verfügung, wie mit dieser Situation umgegangen werden kann. Zuerst steht das Gespräch mit dem_der verantwortlichen Lehrkraft. Ist das nicht von Erfolg gekrönt oder es werden Nachteile für das Studium befürchtet, dürfte bereits ein Anruf bei der_dem zuständigen Brandschutzbeauftragten ausreichen, um die Fluchtwege zeitnah zu öffnen. Bei einer gegenwärtigen Freiheitsberaubung steht es den Beraubten natürlich frei, sich gegen die Beraubung zur Wehr zu setzen, notfalls – kein Scherz - mit Hilfe der Polizei (→ Tel. 110). Kreative Personen können auch alle paar Minuten zur Toilette gehen, woraufhin die Tür (theoretisch) aufgeschlossen werden müsste. → Pinkelpause